Sektorkopplung Gesundheit und Mobilität

Die Arbeitsgruppe „Sektorkopplung Gesundheit und Mobilität“ bringt Akteurinnen und Akteure aus Verkehr, Gesundheit, Wissenschaft, Sport und Verwaltung zusammen, um diese Potenziale synergetisch für nationale Mobilitäts-, Gesundheits- und Klimaziele nutzbar zu machen.

Zentral ist der fachliche Austausch zwischen Expert:innen aus den jeweiligen Themengebieten. Fuß- und radverkehrsfreundliche straßenräumliche Gestaltung trägt gleichzeitig zu mehr Verkehrssicherheit, mehr Bewegung im Alltag und höherer Aufenthaltsqualität bei.

Mit der Sektorkopplung Gesundheit und Mobilität soll die Lebensqualität gesteigert werden. Die Erreichung der Gesundheits- und Klimaziele wird durch Förderung der aktiven Mobilität einerseits als Gesundheitsvorsorge aber auch als Umsetzung des Health-in-all-Policies-Ansatzes im Verkehr unterstützt.

Wenn aktive Mobilität konsequent gefördert wird – durch attraktive Geh- und Radinfrastruktur, sichere Schulwege, verkehrsberuhigte Quartiere – sinken Krankheitslast, Luftschadstoff- und Treibhausgasemissionen zugleich. Die Sektorkopplung von Gesundheit und Mobilität schafft so eine Win-win-Situation: Investitionen in eine bewegungsfreundliche, emissionsarme Mobilität sind gleichzeitig Investitionen in Prävention, Lebensqualität und die Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele.

Die Arbeitsgruppe (AG) „Sektorkopplung Gesundheit und Mobilität“ besteht aus Fachexpert:innen des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK), des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMWKMS), sowie der Gesundheit Österreich GmbH, dem Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) und wird unterstützt von Expert:innen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), der Umweltbundesamt GmbH, der Austria Tech GmbH, der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), Department für Raum, Landschaft und Infrastruktur, Institut für Verkehrswesen sowie der Universität Salzburg, Fachbereich Geoinformatik sowie der Stiftungsprofessur für aktive Mobilität der Universität Innsbruck und dem Zentrum für aktive Mobilität der Universität Graz.

Volkswirtschaftlicher Nutzen des Gehens

92 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher gehen täglich oder mehrmals pro Woche mehr als 5 Minuten zu Fuß. Die Basis jeder Mobilität ist das Zu-Fuß-Gehen und ist besonders für den Öffentlichen Verkehr als Zu- und Abgang zur Haltestelle sehr relevant.

Berechnungen mit dem  Health Economic Assessment Tool for Walking & Cycling-Tool (HEAT-Tool), einem von der Weltgesundheitsorganisation (englisch: World Health Organization (WHO)) entwickelten Rechenmodell, das die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen von Geh- und Radverkehr abschätzt, ergeben bei Erreichung des angestrebten Fußverkehrs-Modal-Splits von circa 20 Prozent einen substanziellen gesundheitlichen Nutzen für die Bevölkerung, das bedeutet einen volkswirtschaftlichen Gesundheitsnutzen von 9,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Volkswirtschaftlicher Gesundheitsnutzen durch das Radfahren

Berechnungen mit dem HEAT-Tool ergeben bei Erreichung des angestrebten Radverkehrs-Modal Split von 14 Prozent (Regierungsprogramm 2025) einen volkswirtschaftlichen Gesundheitsnutzen von 3,0 Milliarden Euro pro Jahr.

Der Verkehrssektor ist für 27 Prozent der österreichischen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich (Stand 2025), zählt zu den Hauptemittenten von gesundheitsschädlichen Luftschadstoffen und wird in Bevölkerungsumfragen stets als großer Störfaktor in Bezug auf Lärmemissionen und Minderung der Lebensqualität genannt.

Die Lebenserwartung in Österreich liegt leicht über dem EU-Durchschnitt, die Zahl gesunder Lebensjahre aber darunter. Bewegungsmangel ist immer noch mit ein Hauptgrund für vorzeitige Todesfälle: nur 57 Prozent der 18-65-Jährigen in Österreich erfüllen das von der WHO empfohlene Bewegungspensum. Eine Erhöhung der physischen Aktivität und generell der in Gesundheit verbrachten Lebensjahre würde nicht nur einen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität leisten, sondern auch zu direkten und indirekten Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem, sowie zu weiteren positiven volkswirtschaftlichen Effekten beitragen.

Beide Aspekte, also sowohl die Reduktion der unterschiedlichen negativen Auswirkungen des Verkehrs als auch die weitere Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität der österreichischen Bevölkerung, können durch die Förderung aktiver Mobilität in Form von Zu-Fuß-Gehen und Radfahren signifikant und nachhaltig unterstützt werden.

Mit der Sektorkopplung Gesundheit und Mobilität sollen die Gesundheits- und Klimaziele durch Förderung der aktiven Mobilität einerseits als Gesundheitsvorsorge aber auch als Umsetzung des Health-in-all-Policies- Ansatzes im Verkehr erreicht werden. Eine verstärkte Kooperation zwischen aktiver Mobilität und Gesundheit mit mehr Synergien und positiven Effekten für beide Sektoren wird angestrebt.

Die Bereiche Verkehr/Mobilität, Umwelt und Gesundheit sind über die Schnittstellen Bewegung beziehungsweise physische Aktivität und Umwelteinflüsse eng miteinander verbunden. Die intersektorale Betrachtung dieser Zusammenhänge gewinnt immer mehr an Bedeutung; ihnen wird in zahlreichen nationalen als auch internationalen Strategien und Zielsetzungen Rechnung getragen.

Themen und Erfolge

Factsheet Gesundheit & Mobilität 

Inwieweit die intersektorale Vernetzung in Österreich tatsächlich funktioniert, welche Erfahrungen diesbezüglich bestehen und welche Potenziale in einer Verbesserung der Zusammenarbeit stecken, diesen Fragen wurde in einer Online-Befragung der Arbeitsgruppe unter 142 Expert:innen und Stakeholder:innen nachgegangen: 86 Prozent der Befragten geben an, bereits bereichs- bzw. sektorübergreifend zu arbeiten, davon 34Prozent sehr oft (mehrmals im Monat), 47 Prozent oft und 19 Prozent (sehr) selten. 14 Prozent arbeiten (noch) nicht sektorübergreifend zusammen und entstammen den Bereichen Klima/Umwelt, Gesundheit/Medizin sowie Bildung.

Factsheet Sektorkopplung Gesundheit und Mobilität (PDF, 943 KB)

Regionalkonferenz „gesund & aktiv MOBIL“ in Bischofshofen am 27. November 2024

Die Idee zur Konferenz ist in der Arbeitsgruppe entstanden. Die Regionalkonferenz machte Bischofshofen zum Treffpunkt für alle, die sich für eine Kooperation der Sektoren Gesundheit und Mobilität interessieren. Das Programm war vielfältig und praxisnah. Im Mittelpunkt stand die immense Bedeutung alltäglicher Bewegung – und wie sich körperliche Aktivität nahtlos in den Alltag integrieren lässt. Anhand konkreter Beispiele aus Gemeinden und Regionen wurde zudem deutlich, dass aktive Mobilität nicht nur ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Thema ist und sich gemeinsam mit Gesundheitsfragen planen und umsetzen lässt. Partnerschaften und Feldforschung: Kooperationen im Rahmen von  „Österreich zu Fuß“, etwa mit dem  Sportministerium und dem  Fonds Gesundes Österreich, wurden in der Arbeitsgruppe beschlossen und Feldforschung z. B. Uni Innsbruck gefördert (die Arbeitsgruppe als „Katalysator“). Die Arbeitsgruppe kooperiert auch mit  Österreich radelt und der  Europäischen Mobilitätswoche.

 Regionalkonferenz „gesund & aktiv MOBIL“

Arbeitsgruppe „Sektorkopplung Gesundheit und Mobilität“

Diese setzt sich zum Ziel, das volle Potenzial der intersektoralen Zusammenarbeit zur Förderung aktiver Mobilität und der davon ableitbaren Synergieeffekte im Hinblick auf die Erreichung der nationalen und internationalen Klima-, Gesundheits- und Mobilitätsziele sichtbar und nutzbar zu machen. Auf dieser Basis werden Entscheidungsträger:innen in Politik und Verwaltung bzw. Akteur:innen im Bereich der Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bestmöglich unterstützt. Hierzu wurde 2021 ein Motivenpapier erarbeitet:

Motivenpapier zur Arbeitsgruppe Sektorkopplung Gesundheit und Mobilität (PDF, 318 KB)

Stiftungsprofessur „Aktive Mobilität“

Etablierung, Unterstützung und Einbindung der BMIMI-Stiftungsprofessur „Aktive Mobilität“ an der Universität Innsbruck: Mit der  Professur und dem Forschungsbereich Aktive Mobilität wird Bewegung in Freizeit und Alltag an der Schnittstelle von Wirtschaft, Umwelt, Tourismus und Gesellschaft gefördert. Im Zentrum der Forschung steht eine sozialwissenschaftlich fundierte Perspektive auf Aktive Mobilität als Bewegung, wobei insbesondere das Zusammenspiel von individuellen, sozialen und strukturellen Faktoren analysiert wird.

HBSC-Studie

Fragenentwicklung zur  HBSC-Studie zu kindergerechter Mobilität (Health Behaviour in School-aged children; Ergebnisse 2027): Die HBSC-Studie erhebt im Vier-Jahres-Rhythmus Daten zu Gesundheit und Gesundheitsverhalten von Schülerinnen und Schülern. Durch die Beteiligung des Gesundheitsministeriums ergab sich für die Arbeitsgruppe eine besondere Gelegenheit. Sie hat diese genutzt, um gemeinsam eine Fragestellung zu entwickeln und in die nächste Studienrunde einzubringen.

Weitere Beiträge, Websites und  Strategien

  • Vorstellung der Arbeitsgruppe (AG) in Vorträgen (in Österreich und Deutschland) als Musterbeispiel sektorübergreifender Kooperation: Das AG-Mitglied BOKU Wien (Institut für Verkehrswesen) hat bereits zweimal die Gelegenheit genutzt,  die AG bei Fachkongressen in Deutschland vorzustellen. Die Zusammensetzung der Gruppe und die Arbeitsweise wird in Fachkreisen in Deutschland sehr positiv wahrgenommen und als Vorbild für ähnliche Aktivitäten in Deutschland gesehen.
  • Beiträge zu Ausschreibungsinhalten von  „Mobilität der Zukunft“ und nachfolgender Forschungsprogramme (Mobilitätswende, Zero Emission Mobility).
  • Beiträge zur Etablierung des  “Healthy Streets“ Ansatzes in Österreich (u.a. über  FGÖ-Förderprogramme): Eine Straße ist weit mehr als nur ein Ort für Autos. Sie ist ein Raum, in dem sich Menschen bewegen, begegnen, aufhalten und leben. Wie eine Straße gestaltet ist, hat großen Einfluss auf unsere Lebensqualität: durch Luftqualität, Lärm, Verkehr, Begrünung oder Aufenthaltsmöglichkeiten. Eine „gesunde Straße“ fördert das körperliche und mentale Wohlbefinden der Menschen – sei es auf dem Weg zur Arbeit, beim Spazierengehen oder einfach beim Verweilen und Erholen.
  • Inputs zum österreichischen Masterplan Gehen 2030 und Masterplan Radfahren 2030: Die Masterpläne setzen Ziele und zeigen Maßnahmen und gelungene Beispiele zur Förderung der Aktiven Mobilität in Österreich auf.
  • Aktionspapier Gesundheit und Mobilität als Handlungsoptionen für die Politik nach Rechnungshof-Bericht (2023/24; arbeitsgruppeninternes Dokument).
  • Breite Vernetzungen der in der Arbeitsgruppe vertretenen Stakeholder, zum Beispiel  „Tägliche Bewegungseinheit“ mit dem klimaaktiv mobil Programm „Mobilitätsmanagement für Bildungs- und Jugendeinrichtungen des BMIMI.
  •  Mountainbike-Strategie Österreich: Seitens der Arbeitsgruppe wurden Gesundheitsaspekte des Mountainbikens sowie Schnittstellen zum Alltagsradeln eingebracht.