Handlungsfelder und Grundsätze

Automatisierte Mobilität kann einen wichtigen Beitrag zu einem sicheren, klimafreundlichen und gut vernetzten Verkehrssystem leisten. Voraussetzung dafür ist ein verantwortungsvoller und schrittweiser Einsatz neuer Technologien. Österreich verfolgt daher einen kooperativen Zugang, bei dem der Mensch, die Verkehrssicherheit, der öffentliche Verkehr und die Ziele der Mobilitätswende im Mittelpunkt stehen.

Automatisierte Mobilität verantwortungsvoll gestalten

Der Bereich der automatisierten Mobilität umfasst ein Spektrum von bereits etablierten Fahrassistenzsystemen bis hin zu vollautomatisierten Fahrzeugen, die zukünftig in spezifischen Einsatzgebieten operieren werden. Die Entwicklung erfolgt stufenweise und erfordert passende technische, rechtliche, organisatorische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Das übergeordnete Ziel besteht darin, automatisierte Mobilität so zu implementieren, dass sie einen messbaren Mehrwert für das gesamte Mobilitäts- und Verkehrssystem generiert. Im Mittelpunkt steht daher nicht das einzelne Fahrzeug, sondern das Zusammenspiel von Menschen, Fahrzeugen, Infrastruktur, Daten, Mobilitätsdiensten und öffentlicher Hand.

Das „Positionspapier zur Automatisierten Mobilität“ beschreibt dafür ein Zielbild bis 2040 und versteht automatisierte Mobilität als integralen Bestandteil eines nachhaltigen, klimaneutralen, sicheren, sozialen und wirtschaftsverträglichen Mobilitätssystems. Der „Aktionsplan Digitale Transformation in der Mobilität“ ergänzt diesen Zugang, indem er die digitale Vernetzung, die Nutzung von Mobilitätsdaten und kooperative intelligente Verkehrssysteme als zentrale Grundlagen für ein modernes, integriertes Verkehrsmanagement hervorhebt.

Potenziale und Chancen

Automatisierte Mobilität kann Verkehr sicherer, effizienter und zugänglicher machen. Während moderne Assistenzsysteme die Verkehrssicherheit erhöhen können, dienen automatisierte Dienste als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr. Sie können Lücken in der Versorgung schließen, insbesondere in unterversorgten Regionen.

Gleichzeitig eröffnen sich für Österreich neue Chancen in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Wertschöpfung. Heimische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Stellen verfügen über fundierte Expertise in Schlüsselbereichen wie Testverfahren, Simulation, Validierung, Sensorik, Infrastruktur, Mobilitätsdienste und Verkehrsmanagement.

Damit diese Potenziale voll zur Entfaltung kommen, sind klare Rahmenbedingungen unerlässlich. Automatisierte Mobilität soll zur Klimaneutralität beitragen, den öffentlichen Verkehr stärken, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden erhöhen, barrierefreie Mobilität unterstützen und Daten verantwortungsvoll im Sinne des Gemeinwohls nutzen.

Zugleich gilt: Automatisierte Mobilität führt nicht automatisch (nur) zu positiven Wirkungen. Zusätzliches Verkehrsaufkommen, Leerfahrten oder eine stärkere Attraktivierung des motorisierten Individualverkehrs müssen frühzeitig erkannt und vermieden werden.

Zentrale Handlungsfelder

Für die weitere Entwicklung automatisierter Mobilität stehen vier Handlungsfelder im Mittelpunkt.

Mensch und Gesellschaft

Der Mensch steht im Zentrum der Entwicklung. Automatisierte Mobilität soll den Alltag erleichtern, die Sicherheit erhöhen und die Mobilität für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen besser zugänglich machen. Dafür braucht es transparente Information, gesellschaftlichen Dialog, Akzeptanzforschung sowie Aus- und Weiterbildung im Umgang mit neuen Technologien.

Fahrzeug und Gesamtsystem

Automatisierte Fahrzeuge müssen sicher getestet, validiert und in klar geregelten Bereichen rechtssicher eingesetzt werden können. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Fahrzeug, Betrieb, Infrastruktur, Daten, Verkehrsmanagement und Nutzenden. Österreich setzt dabei auf einen schrittweisen Zugang: vom Testen und Pilotprojekten über das Sammeln von Erfahrungen bis hin zur möglichen Überführung geeigneter Anwendungen in den Regelbetrieb.

Infrastruktur und Daten

Automatisierte Mobilität benötigt eine leistungsfähige physische und digitale Infrastruktur. Daten ermöglichen eine bessere Steuerung von Verkehrsflüssen, die Vernetzung von Mobilitätsangeboten und die Erhöhung der Sicherheit. Gleichzeitig müssen Datenschutz, Datensicherheit und Transparenz gewährleistet sein.

Services und Geschäftsmodelle

Automatisierte Mobilität eröffnet neue Möglichkeiten für Mobilitätsdienste, insbesondere im öffentlichen und öffentlich zugänglichen Verkehr. Dazu zählen bedarfsorientierte Angebote, automatisierte Shuttle- oder Flottenlösungen sowie Anwendungen in der Gütermobilität und Logistik. Neue Services sollen bestehende Angebote sinnvoll ergänzen, ohne dabei zu einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen zu führen.

Grundsätze für die Umsetzung

Die Einführung automatisierter Mobilität erfolgt in Österreich nach klaren Grundsätzen:

Sicherheit hat Vorrang. Automatisierte Systeme müssen sicher funktionieren und dürfen keine zusätzlichen Risiken schaffen. Besonders zu berücksichtigen sind Zufußgehende, Radfahrende und andere vulnerable Gruppen.

Automatisierung dient dem Menschen. Technologie ist kein Selbstzweck, sondern soll Menschen unterstützen, gefährliche oder monotone Tätigkeiten erleichtern und Mobilität für alle zugänglicher machen.

Der öffentliche Verkehr steht im Mittelpunkt. Automatisierte Mobilität soll die Mobilitätswende vorantreiben, den öffentlichen Verkehr ergänzen und zusätzliche Verkehrsbelastungen vermeiden.

Kooperation ist Voraussetzung. Die Entwicklung automatisierter Mobilität gelingt nur im Zusammenspiel von öffentlicher Hand, Forschung, Wirtschaft, Infrastrukturbetreibern, Mobilitätsanbietern und Gesellschaft.

Der Wirtschafts- und Innovationsstandort Österreich wird gestärkt. Automatisierte Mobilität eröffnet Chancen für Forschung, Entwicklung und industrielle Wertschöpfung in Österreich. Heimische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologieanbieter sollen dabei unterstützt werden, Kompetenzen auszubauen, neue Lösungen zu entwickeln und Österreich als Standort für sichere, nachhaltige und innovative Mobilität zu positionieren.

Daten werden verantwortungsvoll genutzt. Digitale Informationen sollen zur Verbesserung des Verkehrssystems beitragen. Datenschutz, Datensicherheit und Transparenz bleiben zentrale Anforderungen.

Erfahrungen werden gesammelt und geteilt. Tests, Pilotanwendungen und Forschungsvorhaben liefern wichtige Erkenntnisse. Ihre Ergebnisse sollen nachvollziehbar ausgewertet und für die Weiterentwicklung des Gesamtsystems genutzt werden.

Kooperation und Zielbild

Die Umsetzung automatisierter Mobilität erfordert neue Formen der Zusammenarbeit. Einzelne Forschungs- und Pilotprojekte bleiben wichtig, reichen allein aber nicht aus. Entscheidend ist eine strategische Kooperation, die Wissen bündelt, Rahmenbedingungen weiterentwickelt und den Übergang von der Technologieentwicklung zur praktischen Anwendung unterstützt.

Die Strategische Allianz Automatisierte Mobilität Österreich stärkt diesen kooperativen Ansatz, vernetzt zentrale Akteur:innen, macht Kompetenzen sichtbar und unterstützt dabei, gemeinsame Handlungsbedarfe zu identifizieren.

Der österreichische Zugang lautet daher automatisierte Mobilität sicher, nachhaltig, inklusiv und kooperativ zu gestalten.