Tschechien

Um die Zusammenarbeit und Koordination bei der weiteren Entwicklung des Eisenbahnwesens zwischen Österreich und Tschechien zu verbessern, wurde eine Arbeitsgruppe gemäß Art. 5 der „Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung der Eisenbahnverbindung Berlin – Praha – Wien“ vom 07. Juni 1995 initiiert, die grundsätzlich jährlich zusammentrifft.

Ziel ist es, den grenzüberschreitenden Bahnverkehr effizienter, sicherer und nachhaltiger zu gestalten. Eine Weiterentwicklung der infrastrukturellen Rahmenbedingungen ist eine Voraussetzung für die Verbesserung und Harmonisierung der grenzüberschreitenden Eisenbahnverbindungen. Konkret werden folgende grenzüberschreitenden Eisenbahninfrastrukturprojekte vertieft behandelt:

Eisenbahnachse „Via Vindobona“ (Wien – Praha – Berlin)

Das Projekt gilt als Vorzeigeprojekt der künftigen europäischen Vernetzung in Mitteleuropa und besitzt die höchste Priorität für beide Staaten. Ziel ist eine deutliche Verkürzung der Fahrzeiten (siehe folgende Abbildung) sowie die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten für den Personen- und Güterverkehr. In Österreich wird dafür die Nordbahn zwischen Wien und der österreichisch-tschechischen Grenze bei Břeclav auf eine Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h ausgebaut. Aktuell wird die Kooperation betreffend die Abstimmung von Bauzeitplänen und Umleitungsstrecken zwischen den drei Staaten Österreich, Slowakei und Tschechien intensiviert. Auf tschechischer Seite schreiten derzeit die Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Bau einer neuen Strecke zwischen Praha, Brno und Břeclav sowie weiterer Abschnitte von Praha in Richtung Deutschland voran.

Eisenbahnachse „Via Vindobona“: Entwurf der angestrebten Fahrzeiten im Personenfernverkehr
Eisenbahnachse „Via Vindobona“: Entwurf der angestrebten Fahrzeiten im Personenfernverkehr Foto: Ministerstvo dopravy

Eisenbahnstrecke Linz – České Budějovice – Praha

Zuletzt wurde die Strecke umfangreich modernisiert und die Verkehrsstationen barrierefrei ausgebaut. Im Fachentwurf Zielnetz 2040 wurde ein weiterer Ausbau der Strecke geprüft. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis der durchgeführten Untersuchung lag mit 0,28 (Variante „Zweigleisiger Ausbau Linz – St. Georgen a.d. Gusen Ort“) und 0,65 (Variante „Zweigleisige Neubaustrecke Linz – Freistadt“) deutlich unter der angestrebten 1. Aktuell entwickeln die Infrastrukturbetreiber (ÖBB-Infrastruktur AG und Správa železnic) eine gemeinsame Perspektive für die Achse Linz – České Budějovice – Praha als potenzielle Hochgeschwindigkeitsverbindung im Rahmen einer grenzüberschreitenden Studie. Im Mittelpunkt der Studie steht die Analyse des Verkehrspotenzials dieser Achse für den Personen- und Güterverkehr im europäischen, internationalen und regionalen Kontext. Damit wird eine wissenschaftliche Grundlage für mögliche weitere Schritte geschaffen.

Fachentwurf Zielnetz 2040

Eisenbahnachse „Silva Nortica“ (Wien – České Velenice – České Budějovice/Veselí nad Lužnicí – Praha)

Die überregionale Achse ist vor allem für die Vernetzung und Anbindung der grenznahen Regionen „Südböhmen/Jihočeský kraj“ in Tschechien und dem „Waldviertel“ in Niederösterreich an die Ballungsräume Wien, České Budějovice und Praha von großer Bedeutung. In Österreich werden in den nächsten Jahren Infrastrukturmaßnahmen gesetzt, um die Fahrzeiten zu verkürzen und die Bezirkshauptstadt Horn direkt an die Franz-Josefs-Bahn anzubinden. Auf tschechischer Seite wird die Elektrifizierung der Strecke zwischen České Velenice und Veselí nad Lužnicí vorangetrieben. 

Eisenbahnstrecke Wien – Retz – Znojmo – Jihlava

Die in Österreich als „Nordwestbahn“ bezeichnete Strecke ist für viele Pendler:innen in den Ballungsraum Wien sowie für den Güterverkehr von Relevanz. Auf österreichischer Seite sind mit der umgesetzten Modernisierung und Digitalisierung die Wiener Stammstrecke sowie den Bahnsteigverlängerungen und Bahnhofsmodernisierungen entlang der Nordwestbahn die Voraussetzungen für eine höhere Qualität, dichtere Intervalle und längere Züge geschaffen worden. Darüber hinaus laufen die Planungen für eine Verkürzung der Fahrzeiten sowie für Maßnahmen zur Steigerung der Pünktlichkeit. Eine weitere Verbesserung der grenzüberschreitenden Verkehrsdienste im Rahmen der gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen wird angestrebt.

Am 10. April 2026 wurde eine Absichtserklärung betreffend die grenzüberschreitende Entwicklung der Eisenbahnverbindungen von Österreich und Tschechien zwischen den beiden Verkehrsministern in Wien unterzeichnet. Das Dokument fasst die derzeitigen Schwerpunkte der Arbeitsgruppe zusammen und kann unter  data.gv.at abgerufen werden.