Zur Wettbewerbssituation in der globalen Eisenbahnindustrie Herausforderung der chinesischen Industriepolitik und Handlungsoptionen für Österreich und Europa
Die europäische und österreichische Schienenfahrzeugindustrie kommt durch chinesische Konkurrenz zunehmend unter Druck. Diese Schnelleinschätzung gibt einen Überblick über die globale Wettbewerbssituation in der Schienenfahrzeugindustrie unter spezifischer Berücksichtigung der chinesischen Industriepolitik und staatlichen Beihilfen, sowie einen kurzen Überblick über zur Verfügung stehende wirtschaftspolitische Instrumente.
Die rezente Bestellung von (vorerst) vier Zuggarnituren des privaten österreichischen Bahnunternehmens Westbahn GmbH beim chinesischen Weltmarktführer Chinese Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) hat in Österreich zu einer intensiven (wirtschafts-)politischen Diskussion geführt. Obgleich der konkrete Auftrag mit einem Volumen von circa 70 Millionen Euro vergleichsweise klein ist, hat er eine über den konkreten Anlassfall hinausgehende industriepolitische Bedeutung: auch in Österreich wurde nunmehr offensichtlich, dass die europäische Schienenfahrzeugtechnikindustrie auch auf ihren angestammten Heimmärkten von chinesischen Herstellern ernsthaft herausgefordert wird.
Die chinesische Regierung nutzt Subventionen in großem Umfang, um eine führende Rolle auf den globalen Märkten für grüne Technologien wie Elektrofahrzeuge und Windkraftanlagen, aber zunehmend auch in der Eisenbahnindustrie einzunehmen. Die umfang- und facettenreiche staatliche Unterstützung hat es chinesischen Unternehmen ermöglicht, schnell zu wachsen, Technologien zu transferieren, den inländischen Markt zu dominieren und in ausländische Märkte zu expandieren. Vor diesem Hintergrund befasst sich diese Kurzstudie mit den Auswirkungen der chinesischen Industriepolitik im Eisenbahnsektor.
Auf Basis der verfügbaren Evidenz wird diskutiert inwieweit die chinesische Schienenfahrzeugindustrie Wettbewerbsvorteile aufgrund der Kombination aus staatlicher Unterstützung, Skaleneffekten und/oder technologischem Vorsprung besitzt sowie wirtschaftspolitische Maßnahmen erörtert, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Die industriepolitische Herausforderung besteht darin, einen Politikmix zu finden, der nicht primär die europäische Bahnindustrie auf europäischen Märkten schützt, sondern darüber hinaus die europäische Bahnindustrie durch Innovationskompetenz und Produktentwicklung auf internationalen Drittmärkten wettbewerbsfähig hält.
Studie „Zur Wettbewerbssituation in der globalen Eisenbahnindustrie“ (datenservices.gv.at)