Geschwindigkeitsüberschreitung im Bahnhof Ebreichsdorf GZ 2025-0.952.479
im Bereich der Weichen 57 und 58
Hergang
Am 11. März 2025 verkehrte der Personenzug 7638 vom Wiener Hauptbahnhof nach Bahnhof Deutschkreutz. Der Zug bestand aus zwei 3-teiligen, fixgekuppelten Triebzügen der Baureihe Siemens Desiro Mainline. Nach einem Halt im Bahnhof Ebreichsdorf kam es bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof während eines Gleiswechsels um circa 23:46 Uhr zu einer Befahrung der Weichen 57 und 58 mit weit überhöhter Geschwindigkeit. Zuvor war für Zug 7638 eine taugliche Fahrstraße für die Ausfahrt aus dem Bahnhof Ebreichsdorf eingestellt worden.
Folgen
Aufgrund des Vorfalls entstanden keine Personenschäden und keine direkten Sachschäden. Erst durch eine im Nachhinein durchgeführte Begutachtung der Radsätze von Zug 7638 entstanden Kosten, deren Höhe nicht bekannt ist.
Ursächliche Faktoren
Als ursächlicher Faktor für den Vorfall wird die fehlende Wahrnehmung des Signalbegriffs „Frei mit 60 Kilometer pro Stunde (km/h)“ am Ausfahrsignal „R202“ und des davor befindlichen Signalnachahmers „1R202“ für das Ausfahrsignal „R202“ mit dem Signalbegriff „Hauptsignal zeigt Frei mit Geschwindigkeitsbeschränkung“ durch den:die Triebfahrzeugführer aufgrund seiner:ihrer 8 von 178 Untersuchungsbericht
Erwartungshaltung „Frei“ signalisiert zu bekommen, in Kombination mit einer eingeschränkten Aufmerksamkeit bei der Beachtung des Ausfahrsignales „R202“ und des davor befindlichen Signalnachahmers „1R202“ erachtet. Infolge dessen wurden die Weichen 57 und 58 statt mit der erlaubten Geschwindigkeit von 60 km/h mit 116 km/h befahren.
Die infrastrukturseitige Ausgestaltung des eingesetzten Zugbeeinflussungssystems ist ebenfalls als ursächlicher Faktor zu benennen, da diese nicht verhindern konnte, dass der Zug bereits das Ausfahrsignal „R202“ mit überhöhter Geschwindigkeit passierte und anschließend weiter beschleunigte. Der Zug konnte somit vom Zugbeeinflussungssystem aus nicht selbsttätig zum Halten gebracht werden. Der Zug war ab Beendigung der 1000 Hertz-Überwachung bis zum Weichenbereich der Weichen 57 und 58 fast 1200 Meter technisch nicht überwacht unterwegs. Die infrastrukturseitige Ausgestaltung des eingesetzten Zugbeeinflussungssystems ist auch als systemischer Faktor zu betrachten, da sich diese auch bei anderen Fahrten ähnlich auswirken kann. Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch bei anderen Betriebsstellen ähnliche Situationen vorliegen.
Als weiterer ursächlicher Faktor wird der lange Vorsignalabstand von 1888 m angesehen. Aufgrund dieses langen Abstandes endete die Geschwindigkeitsüberwachung der 1000 Hertz-Beeinflussung bereits auf Höhe des Bahnsteigbeginns. Somit war es nach dem folgenden Halt im Bahnhof Ebreichsdorf möglich, den Zug ohne technische Überwachung bis zum Ausfahrsignal „R202“ zunächst auf 84 km/h und in weiterer Folge auf 116 km/h zu beschleunigen. Der große Vorsignalabstand ist ebenso als systemischer Faktor zu betrachten, da sich dieser auch bei anderen Fahrten ähnlich auswirken kann. Außerdem gibt es auch in anderen Betriebsstellen derart große Vorsignalabstände, welche sicherheitsrelevante Auswirkungen auf Fahrten haben könnten.
Abschlussbericht „Geschwindigkeitsüberschreitung im Bahnhof Ebreichsdorf“ (datenservices.gv.at)
erstellt am 10. März 2026