Entgleisung von Zug 54490 GZ BMK-2024-0.306.720
in Kirchberg in Tirol
Am 18. Juni 2019 verkehrte der Güterzug 54490 von Linz Verschubbahnhof Ost nach Hall in Tirol. Um circa 14:50 Uhr entgleisten in Kilometer 163,668, zwischen Kitzbühel und Kirchberg in Tirol, der 19. und 20. Güterwagen im hinteren Zugteil. Auf der Einfahrtsweiche des Bahnhofs Kirchberg in Tirol, in Kilometer 165,853, kam es anschließend beim selben Zug zur Entgleisung von vier weiteren Güterwagen und einer Zugtrennung zwischen dem 23. und 24. Wagen. In Folge der Zugtrennung wurde die Hauptluftleitung unterbrochen und eine Zwangsbremsung ausgelöst, wodurch der Zug zum Stillstand kam.
Bei diesem Vorfall wurden keine Personen verletzt oder getötet. Es kam zu erheblichem Sachschaden an der Infrastruktur und den eingesetzten Fahrzeugen. Der Schaden an der Infrastruktur beläuft sich auf circa 12 Millionen Euro, der Schaden an den Fahrzeugen auf circa 550.000 Euro und der Schaden aufgrund der Betriebsstörungen auf circa 30.000 Euro. Des Weiteren kam es in Folge der Entgleisung zu massiven Betriebsbehinderungen. Im Personenverkehr entstanden 2.903 Minuten und im Güterverkehr (inklusive „sonstiger Fahrten“) 5.237 Minuten Verspätung. Aufgrund der European Train Control System-Störung im Bereich Wienerwald entstanden dort im Personenverkehr 918 Minuten und im Güterverkehr (inklusive „sonstiger Fahrten“) 695 Minuten Verspätung. An der Umwelt entstanden keine Schäden.
Die Gleisverdrückung, welche die Entgleisung verursachte, wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit durch das Zusammenwirken folgender Faktoren ausgelöst:
- Hohe Druckspannungen im Gleis aufgrund großer Hitze und starker Sonneneinstrahlung.
- Nicht vollständig konsolidiertes Schotterbett aufgrund kurz zuvor durchgeführter Erhaltungsarbeiten und dadurch herabgesetzter Querverschiebewiderstand des Gleises. Die Erhaltungsarbeiten wurden durchgeführt, obwohl die Bedingungen nicht den Vorgaben des Regelwerks 07.06.05 Version 4, Punkt 7.2 entsprachen.
- Hohe Belastung des Gleises durch den 1.569 Tonnen schweren Güterzug Zug 54490 mit einer Fahrgeschwindigkeit von circa 100 km/h.
Systemische Faktoren: Es gab offenbar keine klar definierten Vorgaben für eine verpflichtende Messung und Dokumentation der bei den Bauarbeiten vorherrschenden Schienentemperatur und kein wirksames Kontrollsystem zur Überprüfung der Einhaltung der laut Regelwerk zulässigen Schienentemperatur.
Abschlussbericht „Entgleisung von Zug 54490“ (PDF, 4 MB)
erstellt am 6. Juni 2024