Band 99: Evaluierung der Kampagne „Voll am Leben“ VSF-Forschungsarbeit
Schnellfahren bzw. unangepasste Geschwindigkeit ist eine der Hauptunfallursachen im österreichischen Straßenverkehr. Zudem besteht, insbesondere bei jungen PKW-Lenkern, eine hohe Akzeptanz von Geschwindigkeitsübertretungen.
Um das Bewusstsein für dieses Verkehrssicherheitsproblem zu schärfen, wurde vom Bundesministerium die Kampagne „Voll am Leben“ (Laufzeit 06/2023 bis 08/2024) initiiert und vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds (VSF) in Auftrag gegeben. Hauptzielgruppe der Kampagne war die Hochrisikogruppe der männlichen Lenker im Alter von 17 bis 24 Jahren.
Zur Evaluierung der Kampagne wurden vor, während und nach der Kampagne eine für Österreich repräsentative Online-Befragungen durchgeführt. Die Stichprobe bestand jeweils aus der Kernzielgruppe, männliche PKW-Lenker, 17 bis 24 Jahre (n= 350) sowie österreichischen Pkw-Lenkenden, 17 bis 65 Jahre (n= 650). Die Evaluation basierte, wie die Kampagne selbst, auf Empfehlungen des EU-Projekts CAST (Delhomme et al. 2010) zur Umsetzung und Bewertung von Verkehrssicherheitskampagnen sowie auf der erweiterten Theorie des geplanten Verhaltens (Otto et al. 2019).
Insgesamt erreichte die Kampagne einen hohen Bekanntheitsgrad unter jungen Lenkern. Die größte Reichweite konnte dabei über soziale Medien, insbesondere TikTok, erzielt werden. Die Einstellungen zum Schnellfahren änderten sich in der Kernzielgruppe jedoch nur geringfügig und die Bereitschaft, die Geschwindigkeit um 10 km/h zu überschreiten, sank lediglich kurzfristig, aber nicht langfristig. Zwischen Lenkern, die sich an die Kampagne erinnerten, und jenen, die die Kampagne nicht kannten, waren jedoch tendenzielle Unterschiede in der Bereitschaft zu hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen in der intendierten Richtung zu beobachten.
Erwartungsgemäß sind aufgrund der hohen gesellschaftlichen Akzeptanz des Schnellfahrens weitere Maßnahmen notwendig, um verbreitete Einstellungen und Verhalten nachhaltig zu ändern.