Band 94: Newton – Tiefenanalyse von LKW- und Busunfällen und Ableitung von Maßnahmen zur Unfallprävention  VSF-Forschungsarbeit

Das Projekt Newton beschäftigte sich mit der Tiefenanalyse von LKW- und Busunfällen und der Ableitung von Maßnahmen zur Unfallprävention. Durch die Verknüpfung verschiedenster Datenquellen (wie z. B.. Unfälle, Wetter, Verkehrsaufkommen, Infrastruktur) sowie durch Gewinnung neuer Erkenntnisse mittels Unfallrekonstruktion wurden die unfallbeitragenden und unfallkausalen Risikofaktoren bei LKW- und Busunfällen identifiziert und darauf aufbauend, Maßnahmen abgeleitet, die das Unfallrisiko (Unfalleintrittswahrscheinlichkeit, Unfallschwere) des Schwerverkehrs massiv reduzieren.

An 5 % der Unfälle mit Personenschaden ist ein Schwerverkehrsfahrzeug, also ein Omnibus oder ein LKW/Sattelzugfahrzeug mit mehr als 3,5 Tonnen höchstzulässiges Gesamtgewicht beteiligt – werden ausschließlich die Unfälle mit Getöteten betrachtet, so erhöht sich dieser Anteil auf knapp 17 %. Die Unfälle mit Beteiligung dieser Fahrzeuge müssen daher aus Perspektive der Verkehrssicherheit genauer untersucht werden, sodass mit Hilfe detaillierter Kenntnis der Umstände und begleitender Faktoren entsprechende Schwerpunkte gesetzt und spezifische Maßnahmen entwickelt werden können.

Das Forschungsprojekt „Newton“ hat sich dieses Vorhaben zum Ziel gesetzt – unter Einbezug und Verknüpfung verschiedener Datenquellen sowie einer Tiefenanalyse basierend auf Unfallrekonstruktion. Es wird unter anderem den Fragen nachgegangen: Welche Schwerverkehrsfahrzeuge kommen bei welchen Unfällen gehäuft vor? Gibt es Infrastrukturcharakteristiken (z. B. Höchstgeschwindigkeit, Kennzeichnungen, spezielle Straßenelemente) die eine Rolle spielen? Mit wem (welche Unfallgegner) geschehen die Unfälle und was tragen die jeweiligen Beteiligten dazu bei?

Es zeigt sich, dass die Unfälle mit Schwerverkehrsfahrzeugen überwiegend im Richtungsverkehr geschahen (insbesondere bei LKW und Sattelzugfahrzeugen), gefolgt von Alleinunfällen (die meisten mit Omnibussen). Bei Letzteren kam vor allem ein „Sturz im Fahrzeug“ häufig vor. Die meisten Unfälle (56 %) ereigneten sich mit PKW/Kombi und 8 % der Unfälle weisen eine Beteiligung von Personen zu Fuß auf, bezogen auf Radfahrende sind es 6 %. Die Unfallrekonstruktionen von mehr als 400 LKW-Unfällen zeigen, dass abseits von Alleinunfällen die LKW-Lenkenden bei circa jedem zweiten LKW-Unfall die Hauptschuld trugen. Die häufigsten unfallkausalen Faktoren seitens der LKW-Lenkenden waren „Sicherheitsabstand /Reaktionsverspätung“, „Geschwindigkeit“, „Unaufmerksamkeit/Ablenkung“ und „Sichteinschränkung/Toter Winkel“. Bei den anderen Beteiligten spielten weiters „Fahrfehler“ (z. B. ungenügendes Rechtsfahren, Benutzung der falschen Fahrspur) eine wichtige Rolle.

Die Maßnahmen, welche auf Basis der durchgeführten Analysen empfohlen werden, umfassen die Bereiche Fahrzeugtechnik, Infrastrukturdesign, Bewusstseinsbildung, Fahrausbildung, und rechtliche Rahmenbedingungen. Die Ergebnisse der Untersuchung richten sich an Gebietskörperschaften, die mehr über das Unfallgeschehen in ähnlichen Settings und damit ihre potenziellen Schwerpunkte herausfinden wollen, an Infrastrukturbetreibende, die ihre Straßen sicherer machen wollen, an Fahrschulbetreibende, Fuhrparkbetreibende oder Unternehmen des Busverkehrs, die mehr Information zu potenziellen Fehlern und Gefahren erhalten möchten, oder das Ministerium, um entsprechende Förderungen z.B. im Bereich Fahrzeugtechnik und Bewusstseinsmaßnahmen umzusetzen.