Band 93: Trendline – Sammlung und Analyse von Verkehrssicherheitsindikatoren VSF-Forschungsarbeit

Im europaweiten Projekt Trendline wurden von 2023 bis 2025 die harmonisierte Erhebung von Sicherheitsindikatoren (Key Performance Indicators, (KPI)) im Straßenverkehr durchgeführt. Ziel ist es, darauf aufbauend Sicherheitsmaßnahmen effizienter gestalten zu können und die Zahl der Verkehrstoten sowie Schwerverletzten nachhaltig zu senken.

Trendline stellt die direkte Nachfolge des Projekts Baseline (2021 bis 2023) dar, bei dem erstmals eine einheitliche Methodik festgelegt wurde und eine länderübergreifende Erhebung der KPIs stattfand. Beide Projekte wurden durch die Europäische Kommission (DG-Move) gefördert. Für die Durchführung in Österreich wurde das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) vom zuständigen Ministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI, vormals BMK) beauftragt.

In Österreich wurden sieben der acht KPIs erhoben (alle außer Infrastructure). Diese finden sich auch in der Österreichischen Verkehrssicherheitsstrategie (VSS) wieder. Daher können die Ergebnisse auch für das Monitoring der VSS herangezogen werden. 

Die Verkehrssicherheitsindikatoren (KPIs)

In Trendline wurden insgesamt acht KPIs behandelt, entsprechend der im Europäischen Verkehrssicherheitsprogramm (EU Road Safety Policy Framework 2021-2030) definierten Aufstellung:

  • KPI 1: Speed (Anteil der Kraftfahrzeuge, die Tempolimits einhalten)
  • KPI 2: Safety belts and child restraint systems (Anschnallquoten von Sicherheitsgurten und Rückhaltesystemen für Kinder)
  • KPI 3: Protective equipment (Helmtragequoten auf Fahrrädern und motorisierten Zweirädern)
  • KPI 4: Alcohol (Anteil der nicht unter Alkoholeinfluss fahrenden Lenker:innen)
  • KPI 5: Distraction (Anteil der nicht durch Mobilgeräte abgelenkten Lenker:innen)
  • KPI 6: Vehicle safety (Sicherheitsniveau der Kfz-Flotte)
  • KPI 7: Infrastructure (Sicherheitsniveau der Straßeninfrastruktur)
  • KPI 8: Post-crash care (Unfallnachsorge, Einsatzzeiten der Rettungskräfte)

Ergebnisse der Erhebungen

KPI 1: Geschwindigkeit

Die Einhaltung von Tempolimits wurde 2023 an 251 Messstellen bei circa 18,8 Millionen Fahrzeugen untersucht. Nach einer Verschlechterung im Jahr 2021 zeigten die Daten für 2023, dass die Indikatoren wieder auf Zielkurs sind. Dennoch besteht im Ortsgebiet (30 Kilometer pro Stunde (km/h) und 50 km/h) weiterhin eine große Lücke zum Zielwert für 2030. Auf Freilandstraßen und Autobahnen ist die Einhaltungsquote in Österreich im europäischen Vergleich gut, dies liegt aber auch an den vergleichsweisen hohen Limits von 100 beziehungsweise 130 km/h.

KPI 2: Gurtanlegequote und Kinderrückhaltesysteme

Die Erhebung zur Gurtanlegequote umfasste Beobachtungen von circa 55.000 Fahrzeugen. Österreich positioniert sich hier im europäischen Spitzenfeld mit einer Gurtanlegequote auf Vordersitzen von 99 Prozent und auf Rücksitzen von rund 91 Prozent.

Die generelle Verwendungsquote von Kinderrückhaltesystemen erreicht mit über 99 Prozent bereits den Zielwert für 2030. Allerdings ergibt die genauere Analyse, dass weniger als zwei Drittel der Kinder tatsächlich korrekt gesichert sind (zum Beispiel durch falsche Montage oder Gurtführung).

KPI 3: Helmtragequote

Bei der Helmtragequote ist bei Radfahrenden eine Steigerung seit 2019 festzustellen. Dennoch bleibt die Quote deutlich hinter dem Zielwert von mindestens 50 Prozent zurück. Bei Motorrädern und Mopeds liegt die Quote hingegen stabil nahe 100 Prozent.

KPI 4: Alkohol

Die Prävalenz des Alkoholkonsums wurde mittels anonymer Onlinebefragung (ESRA3-Methodik) ermittelt. Dabei wurde der Anteil der Personenkraftwagen-Lenker:innen abgefragt, der in den letzten 30 Tagen nicht gefahren sind, wenn sie möglicherweise über dem gesetzlichen Alkoholgrenzwert lagen.

Der österreichische KPI-Wert sank im Vergleich zu den vorangegangenen Erhebungen auf 87,8 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Zielwert der Verkehrssicherheitsstrategie von ≥ 99 Prozent.

KPI 5: Ablenkung

Im Bereich der Ablenkung durch Mobilgeräte zeigt sich eine positive Entwicklung. Der Anteil der Lenker:innen, die nicht durch Telefonieren oder Tippen abgelenkt sind, stieg leicht an und liegt mit 97 Prozent nur noch einen Prozentpunkt vom Zielwert (98 Prozent) entfernt.

KPI 6: Sicherheitsniveau der Kraftfahrzeug-Flotte

Der Indikator zur Fahrzeugsicherheit setzt die Neuzulassungsstatistik mit EuroNCAP-Ratings in Beziehung. Österreich kommt beim globalen Ländervergleich etwa im Mittelfeld zu liegen. Positiv hervorzuheben ist, dass Österreich mit einem Durchschnittsalter von 9,3 Jahren die zweitjüngste Personenkraftwagen- (Pkw-) Flotte in Europa besitzt.

KPI 8: Unfallnachsorge

Der Indikator gibt die Zeit an zwischen Entgegennahme eines Notrufs aufgrund eines Straßenverkehrsunfalls und dem Eintreffen der Rettungskräfte am Unfallort (95-Perzentil-Wert). Dafür lieferten die Rettungs-Landesleitstellen entsprechende Datensätze. Der 95-Perzentil-Wert liegt in Österreich bei 26,4 Minuten. Aufgrund der aufwendigen Erhebung konnte der Wert nur von sechs Staaten geliefert werden. Ein aussagekräftiger Vergleich ist daher nicht möglich.

Alle EU-weiten Ergebnisse sowie die Grundlagen und Hintergründe des Projekts sind auf der Projektwebseite  trendlineproject.eu zu finden.